Nürnberger Immobilien Börse
TIPP Gegen Überhitzung in Städten

So helfen mobile Bäume

veröffentlicht am: 27.07.2026

Jeden Sommer heizen sich deutsche Innenstädte stärker auf. Asphalt und Beton speichern die Wärme bis tief in die Nacht.

 

Wo klassische Baumpflanzungen an Wasser- und Stromleitungen oder fehlendem Platz scheitern, bieten mobile Bäume eine schnelle, flexible Lösung, ganz ohne Eingriff in den Boden.

 

Warum deutsche Städte im Sommer besonders leiden

Dicht bebaute Innenstadtlagen heizen sich deutlich stärker auf als ihr Umland.

 

Verantwortlich dafür ist der sogenannte urbane Hitzeinseleffekt: Versiegelte Flächen aus Beton und Asphalt speichern tagsüber Sonnenwärme und geben sie nachts nur langsam wieder ab.

An manchen Tagen liegt der Temperaturunterschied zwischen Stadt und Umland bei bis zu zehn Grad. Besonders deutlich zeigt sich das bei sogenannten Tropennächten, in denen die Temperatur nicht unter 20°C fällt.

 

Allein am Berliner Alexanderplatz wurden 2024 rund 22 solcher Nächte gezählt, im nahen Brandenburger Umland waren es nur drei bis vier.

Schätzungen zufolge leben heute etwa 40 Prozent der Menschen in Deutschland in einem Gebiet, das von diesem Effekt betroffen ist. Für ältere Menschen, Schwangere und Kinder kann die zusätzliche Hitzebelastung schnell zu einem echten Gesundheitsrisiko werden.

Eine aktuelle Untersuchung des Umweltbundesamts zeigt: Vor allem großkronige Bäume und Verschattungselemente senken die gefühlte Temperatur spürbar.

 

Warum klassische Begrünung oft an ihre Grenzen stößt

Das Prinzip der Schwammstadt – mehr Grün, mehr Entsiegelung, bessere Wasserspeicherung – ist als langfristige Strategie richtig. In der Praxis dauert die Umsetzung jedoch oft Jahre, bis Finanzierung, Genehmigung und Bauarbeiten abgeschlossen sind.

Hinzu kommt: Auf vielen innerstädtischen Plätzen lassen sich Bäume gar nicht fest im Boden pflanzen. Grund dafür sind unterirdische Leitungen oder die Notwendigkeit, Flächen für Veranstaltungen und Märkte freizuhalten. Genau in dieser Lücke setzen mobile Begrünungssysteme an.

 

Was macht mobile Bäume so wirkungsvoll?

Statt Bäume fest zu verwurzeln, stehen sie bei mobilen Systemen in intelligenten Pflanztrögen mit eigenem Wassertank. Mit Mobile Green von Bauer Baumschulen ist eine Lösung entstanden, mit der sich Gehölze an Standorten ohne feste Pflanzung dauerhaft versorgen lassen.

  

Die Tröge fassen je nach Ausführung 400 bis 800 Liter Wasser, das über eine Bewässerungsmatte per Kapillarwirkung nachfließt. Dadurch bekommt die Pflanze genau die Menge an Wasser, die sie tatsächlich braucht. Nachgefüllt werden muss nur etwa alle zwei Wochen.

Eine integrierte Sensorik überwacht Wasserstand und Temperatur in Echtzeit und schlägt bei kritischen Werten automatisch Alarm. So bleibt der Pflegeaufwand auch bei mehreren Standorten überschaubar.

Zum Einsatz kommen bevorzugt Großgehölze ab sechs bis acht Metern Höhe. Sie lassen sich per Stapler oder Kran innerhalb kurzer Zeit versetzen. Das ist ideal für Plätze, die zwischenzeitlich auch anders genutzt werden müssen, etwa für Märkte oder den Winterdienst.

 

Kühlwirkung mit Zahlen belegt

Wie stark mobile Bäume tatsächlich kühlen, hat die Berner Fachhochschule wissenschaftlich untersucht. Wärmebildmessungen zeigen einen Temperaturunterschied von bis zu 18°C zwischen beschatteter und unbeschatteter Fläche. In Extremfällen wurden sogar über 30°C gemessen.

 

 

Entscheidend ist dabei nicht nur die reine Lufttemperatur. Über Global-Thermometer wurde zusätzlich die physiologisch äquivalente Temperatur erfasst, also das, was Menschen tatsächlich als Hitze empfinden. Unter den mobilen Bäumen bleibt dieser Wert über den Tag deutlich stabiler.

Werden mehrere Tröge als Gruppe angeordnet, verbinden sich die einzelnen Kühlzonen sogar zu größeren, spürbar kühleren Bereichen. Dieser Effekt wertet ganze Plätze auf und lädt zum längeren Verweilen ein.

 

Ein Blick in die Praxis

Wie das konkret aussehen kann, zeigt der Messeplatz in Basel: Die zuvor kahle, stark versiegelte Fläche wurde mit mobilen Baumtrögen ausgestattet. Dadurch wurde der Platz messbar kühler und entsprechend mehr genutzt, auch an heißen Tagen.

Innerhalb weniger Jahre sind inzwischen rund 70 mobile Bäume an verschiedenen Standorten im Einsatz, darunter auch erste Projekte außerhalb der Schweiz. Das Konzept eignet sich damit ebenso für deutsche Innenstädte, Firmengelände oder Gewerbeflächen.

Ein weiteres Beispiel ist der Klosterplatz in Solothurn, auf dem regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. Eine klassische Pflanzung wäre dort kaum möglich gewesen. Dank der mobilen Tröge bleibt der Platz trotz Begrünung multifunktional nutzbar.

 

Welche Baumarten eignen sich für mobile Begrünung?

Die Auswahl der Bäume erfolgt standortabhängig und in Absprache mit Fachleuten. Oft sind heimische Arten gewünscht oder sogar vorgeschrieben, da sie besser an das lokale Klima angepasst sind und Insekten sowie Vögeln Lebensraum bieten.

Wichtig ist vor allem eine große, dichte Krone, da sie für ausreichend Schattenwurf sorgt. Je nach Standort und gewünschter Kühlwirkung lässt sich die passende Baumart heute sogar vorab modellhaft berechnen.

 

Für wen sich mobile Begrünung besonders lohnt

Kommunen profitieren davon, dass sich stark versiegelte Plätze ohne langwierige Bauverfahren begrünen lassen. Das ist besonders dann ein Vorteil, wenn Hitzeschutzkonzepte schnell wirken müssen.

Unternehmen mit Gewerbeflächen können damit Außenbereiche für Mitarbeitende und Kundschaft aufwerten, ohne in feste Infrastruktur investieren zu müssen.

Bei Eventveranstaltern oder Innenstadtquartieren mit wechselnder Flächennutzung punktet das System zusätzlich: Die Tröge lassen sich bei Bedarf einfach umsetzen.

 

Warum sich mobile Begrünung wirtschaftlich lohnt

Auch finanziell schneidet mobile Begrünung gut ab: Über die gesamte Nutzungsdauer liegen die Kosten bei rund einem Drittel gegenüber klassischen Trogsystemen. Der Pflegeaufwand sinkt durch die effiziente Bewässerung deutlich. Der Kostenvorteil zeigt sich meist schon nach etwa eineinhalb Jahren.

Konkret bedeutet das: Statt zwei- bis dreimal wöchentlich mit rund einer halben Stunde Aufwand pro Trog reicht bei mobiler Begrünung ein Intervall von etwa zwei Wochen mit nur fünf Minuten Pflege.

Möglich wird das auch durch die digitale Überwachung: Wasserstände und weitere Zustandsdaten lassen sich ortsunabhängig abrufen, sodass sich Pflegeeinsätze gezielt planen lassen und unnötige Kontrollfahrten entfallen.

 

Da Bäume und Tröge über mehrere Nutzungszyklen hinweg wiederverwendet werden können, ist das Konzept zudem ein Beitrag zu mehr Ressourcenschonung im urbanen Raum.

Angesichts aktueller Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes wird Hitzeschutz für deutsche Städte demnach zu einer immer dringenderen Aufgabe. Mobile Bäume schließen dabei eine wichtige Lücke.


Bildquelle(n): Frontbild: MobileGreen Bäume in Wohlen (© Bauer Baumschulen) _ Bild1: Technisches Bild MobileGreen Pflanztröge (© Bauer Baumschulen) _ Bild2: Wärmebildaufzeichnung in Reinach (aufgenommen am 08.08.2025, 12:45 Uhr, BFH unter Leitung von Prof. Stefan Jack, ©BFH)