Einspeisung vs. Eigenverbrauch
veröffentlicht am: 20.01.2026
Die Entscheidung zwischen der Einspeisung ins öffentliche Stromnetz und dem Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Solarstrom beschäftigt zahlreiche Haushalte in Deutschland, die bereits eine Photovoltaikanlage betreiben oder deren Installation in naher Zukunft planen. Beide Strategien bieten unterschiedliche Vorteile und wirtschaftliche Perspektiven, die vor einer Entscheidung sorgfältig abgewogen werden sollten.
Während die Volleinspeisung über einen langen Zeitraum hinweg als die mit Abstand lukrativste Option für Anlagenbetreiber galt, hat sich das Blatt in den vergangenen Jahren aufgrund veränderter Marktbedingungen grundlegend gewandelt. Durch steigende Strompreise und sinkende Einspeisevergütungen wird der Eigenverbrauch von Solarstrom zunehmend zur attraktiveren Option.
Dennoch gibt es bestimmte Szenarien, in denen die vollständige Einspeisung weiterhin die wirtschaftlich bessere Wahl darstellt. Dieser Ratgeber erklärt beide Modelle und bietet konkrete Entscheidungshilfen für Ihre Situation. Die richtige Strategie hängt von verschiedenen Faktoren ab, zu denen insbesondere der persönliche Stromverbrauch, die Größe der installierten Photovoltaikanlage sowie die jeweiligen Lebensumstände und individuellen Bedürfnisse der Bewohner zählen.
Einspeisung oder Eigenverbrauch: Welche Strategie passt zum Haushalt?
Bei der Volleinspeisung wird der gesamte produzierte Solarstrom ins öffentliche Netz eingespeist. Der Anlagenbetreiber erhält dafür eine garantierte Vergütung pro Kilowattstunde, die über 20 Jahre festgeschrieben wird. Diese Variante eignet sich besonders für Haushalte mit geringem Stromverbrauch oder Gebäude, die nicht selbst bewohnt werden. Wer sich für attraktive Vergütungen für die Einspeisung interessiert, findet dort weiterführende Informationen zur aktuellen Vergütungsstruktur.
Voraussetzungen für die optimale Nutzung beider Modelle
Eigenverbrauch hingegen bedeutet, dass der selbst erzeugte Strom direkt im eigenen Haushalt genutzt wird. Da der Bezugspreis, den Haushalte für Strom vom Energieversorger zahlen müssen, mittlerweile deutlich über der Einspeisevergütung liegt, die für eingespeisten Solarstrom gezahlt wird, rechnet sich diese Variante des Eigenverbrauchs in den meisten Fällen finanziell besser. Entscheidend ist jedoch, dass der Verbrauch zeitlich mit der Stromproduktion übereinstimmt. Ohne Speicherlösung erreicht man nur einen Eigenverbrauchsanteil von etwa 30 bis 40 Prozent. Mit modernen Batteriespeichern lässt sich der Eigenverbrauchsanteil deutlich auf 60 bis 80 Prozent erhöhen.
Hybridmodelle als flexible Alternative
Seit 2023 können Anlagenbetreiber beide Einspeisemodelle miteinander kombinieren und flexibel nutzen. Anlagenbetreiber haben die Möglichkeit, einen Teil ihrer Anlage für die Volleinspeisung und einen anderen Teil für den Eigenverbrauch zu nutzen. Diese Flexibilität ermöglicht eine optimale Anpassung an individuelle Bedürfnisse und kann die Wirtschaftlichkeit der Anlage deutlich verbessern.
Aktuelle Vergütungssätze für die Volleinspeisung im Überblick
Die Einspeisevergütung, die für Betreiber von Photovoltaikanlagen eine zentrale Rolle bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung spielt, unterliegt regelmäßigen Anpassungen durch den Gesetzgeber, um auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Für Photovoltaikanlagen, die im Laufe des Jahres 2026 erstmals in Betrieb genommen werden, gelten nach den aktuellen gesetzlichen Regelungen gestaffelte Vergütungssätze, die sich je nach der installierten Anlagengröße unterscheiden.
Bei Volleinspeiseanlagen, die eine Leistung von bis zu 10 Kilowatt peak aufweisen und bei denen der gesamte erzeugte Strom in das öffentliche Netz eingespeist wird, liegt die staatlich garantierte Vergütung derzeit deutlich höher als bei größeren Installationen, die eine höhere Nennleistung besitzen. Die folgende Übersicht zeigt die aktuellen Konditionen, die für Photovoltaikanlagen verschiedener Größenklassen gelten und einen detaillierten Einblick in die gestaffelten Vergütungssätze für das Jahr 2026 ermöglichen:
1. Anlagen bis 10 kWp erhalten bei Volleinspeisung etwa 12,9 Cent pro Kilowattstunde
2. Für den Anlagenteil zwischen 10 und 40 kWp sinkt die Vergütung auf circa 10,8 Cent.
3. Überschussstrom wird bei Eigenverbrauchsanlagen bis 10 kWp mit etwa 8,1 Cent vergütet.
4. Größere Eigenverbrauchsanlagen erhalten für eingespeisten Überschuss rund 7,0 Cent pro kWh
Diese Werte verdeutlichen, warum der Eigenverbrauch bei aktuellen Strompreisen von über 30 Cent pro Kilowattstunde wirtschaftlich interessanter geworden ist. Wer detaillierte Informationen zur unabhängigen Stromberatung und Energieeffizienz sucht, findet dort wertvolle Hinweise für die Entscheidungsfindung.
Eigenverbrauch maximieren: So lässt sich Solarstrom optimal nutzen
Die Erhöhung des Eigenverbrauchsanteils stellt den entscheidenden Faktor für die wirtschaftliche Optimierung einer Photovoltaikanlage dar. Verschiedene Maßnahmen helfen dabei, den selbst erzeugten Strom besser zu nutzen und die Einspeisung ins Netz zu reduzieren.
Intelligente Verbrauchssteuerung im Alltag
Eine einfache und zugleich äußerst wirkungsvolle Methode besteht darin, stromintensive Geräte wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler bevorzugt während der sonnenreichen Tagesstunden zu betreiben, wenn die Photovoltaikanlage ihre höchste Leistung erzielt. Waschmaschine, Geschirrspüler und Trockner sollten idealerweise zur Mittagszeit laufen, wenn die Solaranlage ihre maximale Leistung erbringt. Moderne Smart-Home-Systeme übernehmen diese Steuerung automatisch und passen den Verbrauch an die aktuelle Produktion an. Das Laden von Elektrofahrzeugen lässt sich ebenfalls optimal mit der eigenen Solarstromerzeugung synchronisieren.
Speicherlösungen und Wärmepumpen als Ergänzung
Batteriespeicher ermöglichen die zeitversetzte Nutzung des Solarstroms und erhöhen den Eigenverbrauchsanteil erheblich. Die Investitionskosten haben sich in den vergangenen Jahren deutlich reduziert, sodass sich Speichersysteme mittlerweile innerhalb von zehn bis zwölf Jahren amortisieren können. Alternativ oder ergänzend bietet sich der Einsatz einer Wärmepumpe an. Diese wandelt überschüssigen Solarstrom in Wärme um und speichert sie im Warmwasser- oder Heizungssystem. Informationen zum Thema umweltbewusste Heizlösungen für das Eigenheim zeigen weitere Möglichkeiten auf, wie regenerative Energien im Wohnbereich eingesetzt werden können.
Wirtschaftlichkeitsvergleich: Rechenbeispiele für beide Modelle
Ein konkretes Beispiel, das die verschiedenen Aspekte der Wirtschaftlichkeit berücksichtigt und dabei sowohl die Einspeisevergütung als auch den Eigenverbrauch einbezieht, verdeutlicht die finanziellen Unterschiede beider Strategien, die für Hausbesitzer bei der Entscheidungsfindung von erheblicher Bedeutung sind. Als Ausgangspunkt für diese Berechnung dient eine typische 10-kWp-Photovoltaikanlage, die auf dem Dach eines Einfamilienhauses installiert ist und jährlich eine Stromproduktion von etwa 9.500 Kilowattstunden erreicht.
Bei der Volleinspeisung, die als Alternative zur Eigenverbrauchslösung gewählt werden kann, ergeben sich folgende wirtschaftliche Werte, wobei mit einer festgelegten Vergütung von 12,9 Cent pro eingespeister Kilowattstunde dem Anlagenbetreiber jährlich rund 1.225 Euro als staatlich garantierte Einspeisevergütung zufließen. Der gesamte Haushaltsstrom muss weiterhin vom Versorger bezogen werden, was bei 4.000 kWh Verbrauch und 32 Cent pro kWh etwa 1.280 Euro kostet. Die abschließende Bilanz, die sich aus der Gegenüberstellung der jährlichen Einspeisevergütung und der weiterhin anfallenden Stromkosten für den gesamten Haushaltsbedarf ergibt, zeigt unter Berücksichtigung aller genannten Faktoren ein leichtes Minus von 55 Euro pro Jahr.
Beim Eigenverbrauchsmodell mit 40 Prozent Eigennutzung ergibt sich ein anderes Bild: Von den 4.000 kWh Verbrauch werden 1.600 kWh selbst erzeugt. Das spart bei 32 Cent Strompreis etwa 512 Euro. Die restlichen 7.900 kWh werden eingespeist und bringen bei 8,1 Cent rund 640 Euro ein. Gesamtertrag: 1.152 Euro, bei deutlich reduzierten Stromkosten von nur noch 768 Euro für zugekauften Strom. Für kleinere Wohneinheiten oder Mietwohnungen bieten sich kompakte Lösungen an, weshalb ein Blick auf die Vorzüge von Balkonkraftwerken lohnenswert sein kann.
Die richtige Entscheidung für die persönliche Energiezukunft
Die Wahl hängt von individuellen Faktoren ab. Haushalte, die über einen hohen Tagesverbrauch verfügen und deren Bewohner regelmäßig tagsüber zu Hause sind, um den erzeugten Solarstrom direkt nutzen zu können, profitieren eindeutig und in besonderem Maße vom Eigenverbrauchsmodell, da sie ihre Stromkosten erheblich reduzieren können. Volleinspeisung eignet sich für Haushalte ohne Speicher und Tagesverbrauch. Die Hybridlösung bietet einen besonders interessanten Mittelweg zwischen den beiden Modellen, da sie flexible Anpassungen im Zeitverlauf erlaubt und sich somit optimal an veränderte Lebensumstände anpassen lässt.
Langfristig spricht aus wirtschaftlicher Perspektive vieles für eine durchdachte Eigenverbrauchsstrategie, da die Strompreise nach aktuellen Prognosen tendenziell weiter steigen werden, während die staatlichen Einspeisevergütungen kontinuierlich sinken und somit die Volleinspeisung an Attraktivität verliert. Mit einem sorgfältig durchdachten Energiekonzept, das möglicherweise moderne Speicherlösungen, eine effiziente Wärmepumpe und eine intelligente Steuerung miteinander kombiniert, lässt sich eine weitgehende Unabhängigkeit vom schwankenden Strommarkt erreichen. Diese Autarkie bietet neben finanziellen Vorteilen auch eine höhere Versorgungssicherheit bei schwankenden Energiepreisen. Die Entscheidung sollte auf einer individuellen Berechnung basieren, die regelmäßig angepasst wird.
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