Nürnberger Immobilien Börse
Auf der Baustelle Renovieren in Eigenleistung

Warum feste Schuhe nicht reichen

veröffentlicht am: 15.10.2026

Wer eine Bestandsimmobilie kauft, plant oft einen Teil der Arbeiten selbst ein. Alte Fliesen abschlagen, Teppich und Dielen herausreißen, Wände für den Trockenbau vorbereiten, Schutt zum Container tragen: Die sogenannte Muskelhypothek spart Geld und macht viele Projekte überhaupt erst finanzierbar. Was dabei häufig zu kurz kommt, ist der eigene Schutz. Während Handschuhe und Staubmaske meist bereitliegen, steht man an den Füßen in alten Turnschuhen oder Wanderschuhen auf der Baustelle. Gerade beim Rückbau ist das ein Risiko, das man leicht unterschätzt.

 

Wo beim Rückbau die Gefahren für die Füße liegen

Die meisten Fußverletzungen auf privaten Baustellen entstehen nicht durch spektakuläre Unfälle, sondern durch alltägliche Situationen. Beim Entfernen alter Holzböden und Unterkonstruktionen bleiben Nägel und Schrauben in Latten stecken, die anschließend mit der Spitze nach oben im Schutt liegen. Abgeschlagene Fliesen haben scharfe Kanten, die durch dünne Sohlen dringen können. Gipskartonplatten, Fliesenpakete, Säcke mit Estrich oder Kleber und Werkzeuge wie Vorschlaghammer oder Bohrhammer sind schwer genug, um bei einem Sturz auf den Fuß ernsthafte Verletzungen zu verursachen. Hinzu kommen Stolperfallen durch Kabel, Schutt und offene Bodenflächen.

 

Ein normaler Straßenschuh ist dafür nicht gemacht. Er hat weder eine Zehenschutzkappe noch eine durchtritthemmende Sohle und ist oft auch nicht rutschhemmend genug für staubige Fliesen oder feuchten Estrich.

 

Was einen Sicherheitsschuh ausmacht

Sicherheitsschuhe werden in Europa nach der Norm EN ISO 20345 geprüft. Kern ist die Zehenschutzkappe: Sie muss einen Aufprall mit 200 Joule aushalten, was ungefähr einem Gewicht von 20 Kilogramm entspricht, das aus etwa einem Meter Höhe fällt, und zusätzlich einem Druck von 15 Kilonewton standhalten. Das Kürzel P in der Schutzklasse, etwa bei S1P oder S3, zeigt an, dass eine Zwischensohle gegen das Durchtreten spitzer Gegenstände verbaut ist. Für den Rückbau in Innenräumen ist S1P eine gute Grundlage. Wer auch draußen arbeitet, etwa beim Pflastern, im Garten oder bei Abbrucharbeiten an der Fassade, ist mit S3 besser bedient, weil hier zusätzlich ein wasserabweisendes Obermaterial und eine profilierte Sohle vorgeschrieben sind.

 

Schutz, den man auch wirklich anzieht

Viele Heimwerker verzichten auf Sicherheitsschuhe, weil sie diese mit schweren, klobigen Stiefeln verbinden. Das Bild ist überholt. Inzwischen gibt es sportliche Sicherheitsschuhe, die optisch an Turnschuhe oder Sneaker erinnern, aber dieselbe Prüfung nach EN ISO 20345 durchlaufen haben. Für Renovierungsarbeiten in Innenräumen, bei denen man viel steht, kniet, Leitern steigt und zwischen Räumen hin und her läuft, ist ein leichter und flexibler Schuh oft die bessere Wahl. Entscheidend ist nicht die Optik, sondern die Kennzeichnung im Schuh: Steht dort EN ISO 20345 mit der passenden Schutzklasse, ist der Grundschutz geprüft.

 

Ein Nebeneffekt, der bei Eigenleistung nicht zu unterschätzen ist: Schuhe, die bequem sind, bleiben auch am dritten Renovierungswochenende in Folge an den Füßen.

 

Stahlkappe oder Kunststoffkappe?

Bei der Zehenschutzkappe haben Käufer die Wahl zwischen Stahl und nicht metallischen Materialien wie Kunststoff oder Verbundstoffen. Beide müssen dieselbe Prüfung bestehen, schützen also im Rahmen der Norm gleich gut. Unterschiede gibt es bei Gewicht und Tragegefühl. Stahl gilt als sehr stabiles und bewährtes Material, ist aber schwerer und leitet Kälte und Wärme. Kunststoffkappen sind leichter und leiten Temperatur kaum weiter, was bei Arbeiten im ungeheizten Rohbau im Winter angenehm sein kann. Arbeitsschuhe mit Stahlkappe sind eine bewährte und robuste Wahl für Abbruch- und Rückbauarbeiten. Am Ende entscheidet vor allem die Passform, und die lässt sich nur durch Anprobieren herausfinden.

 

Worauf man beim Kauf achten sollte

Sicherheitsschuhe sollte man mit den Socken anprobieren, die man auch bei der Arbeit trägt. Da Füße im Laufe des Tages etwas anschwellen, ist eine Anprobe am Nachmittag sinnvoll. Vorne sollte genug Platz sein, damit die Zehen die Schutzkappe nicht berühren. Wer viel kniet, etwa beim Fliesenlegen oder beim Verlegen von Bodenbelägen, sollte zusätzlich an Knieschoner denken und darauf achten, dass sich der Schuh im Vorfuß gut abrollen lässt. Wichtig ist auch, an Helfer zu denken: Wenn Freunde oder Familie an einem Wochenende mit anpacken, sollten auch sie nicht in Freizeitschuhen Schutt schleppen.

 

Eigenleistung lohnt sich nur, wenn sie nicht in der Notaufnahme endet. Ein Paar geeigneter Schuhe ist im Vergleich zu den übrigen Renovierungskosten eine kleine Investition und gehört deshalb genauso auf die Materialliste wie Fliesenkleber und Schleifpapier.


Bildquelle(n): Titelbild: Stefan Lehner / unsplash.com